Cello with Love
Joy in Life 
Tanjiro kommt aus Ravensberg. Eigentlich hatte ich ein Ticket nach Regensburg gekauft, doch ich stellte rechtzeitig fest, dass dies nicht mein Ziel war. Leider konnte ich das Ticket nicht mehr umtauschen.
Ohne einem alten, beschädigten Cello wäre ich nie nach Ravensberg gekommen. Doch da ich ohnehin mit dem Nacht-ICE dort war, machte ich – mit Tanjiro auf dem Rücken, dessen Decke offen lag und Licht durch die Risse ließ – einen kleinen Stadtrundgang.
Auf dem Weg zur Burg nannte ich ihn vor dem Turm zunächst „St. Michael“, nach dem verschwundenen Kloster. Doch später wurde er zu Tanjiro umbenannt. Denn dieses Instrument hatte über 50 Jahre lang unberührt im Dachboden im Ruhrgebiet gelegen. Seit mein Vorbesitzer ein Kind bekam, hatte er nicht wieder einmal Cello gespielt.
Tanjiro ist die Hauptfigur aus dem japanischen Anime „Demon Slayer“. Seine Familie war eine Köhlerfamilie, und sein Name bedeutet eigentlich nur „Kohlen-zweites-Kind“. Ich hatte zuvor auf einem Sommer Comic Camp am Lagerfeuer mit Kindern Cello gespielt, und die Kinder hatten mir das Tanjiro-Lied mit Karaoke vorgesungen. Seither bin ich ein großer Fan davon.
Ein Kontrabassspieler, der damals von Russland durch das gesamte Baltikum als Musiker reiste, schenkte das Cello seinem Kind, das in Ostpreußen geboren wurde. Aus ihm wurde später ein Steinkohlenbergbau-Ingenieur, der als Elektrofahrsteiger auf der Zeche arbeitete und als Werksachverständiger im Bergkittel in Bochum tätig war. Im Ruhestand schrieb und schnitt er unermüdlich Scherenschnitte.
Tanjiro war einfach kohlgrau. Ich versprach ihm, ihn zu einem Geigenbauer zu bringen, wenn wir wieder in Berlin sind. Ich hoffte, dass er wieder gesund wird.
Und tatsächlich: Aber so eine tolle – Obertonreiche – ist zu einfach gesagt. Aber jemand, der feinere Töne wahrnehmen kann, hört diesen Sparkling-Partikelreichen Gesang in ganz gelassenem, ruhigem Ton. Ein Freund von mir, ein Cellist, dem kaum ein Cello gefällt, spielte Tanjiro einmal und gratulierte ehrlich: „Wirklich schön, besser als mein eigenes Cello.“ Sei Tanjiro – ein Segen!
Ich erlebte es selbst: Als Christiane beim Fotoshooting im Café Tanjiro spielte, quoll seine tiefe Freude bis zur Decke und füllte den ganzen Raum. Die Fröhlichkeit kommt von ihr – aber auch von ihm. Tanjiro hat wirklich einen heiteren Charakter.
Glückauf! Vom Stollenmundloch nach Berlin-Neukölln.
Tanjiros Abenteuer geht weiter.
(つづく / Fortsetzung folgt)

