Das hässliche Entlein

So nannte ihn der Geigenbauer, der mir das Cello geschenkt hat. Das alte, kleine und graue — das passt! Und wer die Geschichte kennt, weiß, dass das hässliche Entlein in Wahrheit etwas ganz anderes war, als seine Entengeschwister glaubten.

Ich finde, ein ¾ Cello ist ein guter Reisebegleiter. Verglichen mit einem ausgewachsenen 4/4 Cello ist es kaum größer als eine Gitarre und passt sogar in einen bereits voll gepackten Kofferraum oben drauf. Auf dem Sommercamp an der Ostsee wurde dieses hässliche Entlein von einem Haufen Kinder bespielt. Und wenn die U-Bahn aus welchem Grund auch immer mal wieder 20 Minuten nicht kommt, kann man es einfach am Bahngleis auspacken und ein bisschen klimpern. So kam neulich ein obdachloser Gitarrist vorbei, und obwohl er mir erzählte, noch nie Cello gespielt zu haben, spielte er das Entlein verzaubernd schön. So kommt man ins Gespräch — und ich erfuhr, dass Arvo Pärts neues Album gerade erschienen ist und eine gregorianisch anmutende Richtung eingeschlagen hat.

Das Cello ist ein Geschenk, und das bleibt es. Dieses hässliche Entlein wird Kindern in passender Größe zeitlich unbegrenzt und kostenlos verliehen. Zurzeit ist es bei einem jungen Freund, doch wenn er es nicht mehr braucht, geht das Entlein wieder zu einem neuen Kind.

Kinder und Jugendliche, die wirklich Cello lernen wollen, aber Schwierigkeiten haben, an ein Instrument zu kommen — weil eure Schule oder Bibliothek keins hat oder weil ihr euch nicht traut, eure Eltern zu fragen — schreibt mir einfach eine Nachricht. Ich kann euch auf die Warteliste setzen.